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Vor einigen Tagen bin ich vom Tal los gegangen. In die Berge. Das Tal hat mich zu sehr eingeengt. Ich ließ mich ablenken und unterlag den vielen Verführungen. Ich spürte auch, dass hier nicht meine Energie schwingt. Ich fühlte mich als klebe ich wie ein rosa ausgekauter Kaugummi an der Tischunterkante eines schweren alten Holztisches.

Ich kam mit meinem Projekt „Die Wanderpredigerin auf Reisen“ nicht voran. Klebte fest.

Plötzlich hörte ich den eindringlichen Ruf der Berge.  Juhuiiiii ridldulio. Juhuiiii ridldulio – gehe los. In die Berge.

Ich denke mir: Warum nicht? Denn ich bin ein Bergkind.

Und so startete ich los: Mit einem Schlafsack, warmer Kleidung und etwas Obst. Denn ich wollte flexibel bleiben. Bis ich eine passende Unterkunft gefunden habe. Doch manchmal regnete es leicht. Und so beschloss ich ein Zimmer in einem kleinen Ort zu nehmen.

Ich fühlte mich im Quartier nicht so richtig wohl. Für längere Zeit möchte ich hier nicht bleiben. Daher mietete ich mich nur für 2 Nächte ein.

Ich lernte einen Urlauber in der Unterkunft kennen. Und als ich ihm sagte, dass ich aus Österreich bin, erzählte er mir diese Story über den Vormieter meines Zimmers:

„Ach, lustig. Du bist auch aus Österreich. Hier hat vorher auch ein Österreicher gewohnt. Hihihi. Doch er wurde rausgeschmissen. Denn er hat sich vorm Haus, am vorbeiführenden Wanderweg, nackt hingestellt. Viele Wanderer sind erschrocken und es hat hier in dieser kleinen Ortschaft für Aufregung gesorgt. Echt witzig, dass du jetzt auch in diesem Zimmer wohnst. Hihi.“

Ich denke mir: Spannend. Eine nette Story. Warum erzählt er mir gerade diese Geschichte?

Da ich finde, dass nichts im Leben durch Zufall passiert und alles einen Sinn ergibt, nehme ich die Story wertfrei auf.  Denn oft fügen sich die vielen kleinen Puzzleteile erst später zu einem Gesamtbild.

Bevor ich diesen Weggefährten begegnet bin, hatte ich Blockaden. Ich traute mich nicht, in die Öffentlichkeit mit meinen Texten zu gehen. Mich voll und ganz zu zeigen. Dieser Mann ist mutig. Er zeigt sich: Nackt. So wie er ist. So wie er geschaffen wurde.

Was konnte ich von ihm lernen?

Traue dich und gehe raus. Zeige nicht nur deine schöne Außenfassade. Du hast soviel zu erzählen. Du hast so viele Schicksalsschläge erlitten. Du kannst so viele Menschen berühren. Mit deiner Story. Du kannst Menschen zum Lachen bringen und inspirieren, um los zu gehen. Den eigenen Weg zu finden. Also zeige dich in deiner ganzen Pracht. SEI einfach du. SEI einfach da. SEI du selbst.

Daher werde auch ich mich entblößen. Und mich zeigen mit: Körper, Geist und Seele.

Mein Fazit: Von jedem Weggefährten kann man etwas lernen. Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Awake, Smile & Walk on

Andrea