Seite auswählen

Warum pilgern – Warum wandern? WHY?

 

Pamplona – hier treffen Pilger aufeinander. In dieser Stadt führt der „Camino de Santiago“ vorbei. Der Jakobsweg.

 

Ein berühmter Satz besagt: Dass der Jakobs- Weg VOR der Haustür eines JEDeN beginnt. Früher kam oft der Pilger jedoch nie von seiner Reise zurück – entweder, weil er ein neues Leben begonnen oder unterwegs den Tod gefunden hatte. Die letzte Alternative kommt heute glücklicherweise (nicht) mehr vor.

 

Ich bin dem RUF gefolgt und hier in Pamplona gelandet. Obwohl ich nicht den Jakobsweg gehe. Als ich in der Stadt ankam, wurde ich einige Male auf der Straße angeredet: Camino de Santiago? Ich: Ahhh…NO

 

Bis dahin wusste ich nicht, dass hier in dieser Stadt der Jakobsweg kreuzt. Und schon war ich in Mitten von vielen Pilgern. Alle hatten Rucksäcke auf den Rücken und sind am Wandern. So wie auch ich.

 

Wandern      Wandern      Wandern

 

Ich beschließe, dass ich meine Wanderweggefaehrten frage: Warum diese wandern? Warum diese pilgern?

 

Und so sitze ich bei einem Denkmal bei einer alten steinernen Brücke. Hier wandern die Pilger aus allen Kontinenten über die Brücke. Manche Personen tragen einen sehr schweren Rucksack am Rücken. Und wandern – Schritt für Schritt- mit sehr müde Beinen.

 

Das Gesicht lässt mich oft erkennen, dass nicht nur der Rucksack am Rücken schwer ist. Sondern auch der Rucksack im Inneren.

 

Ich spüre bei manchen Pilgern ein davon laufen. Ein Weglaufen von einem selbst. So wie ich es auch früher getan habe. Zusammen packen und weglaufen. Nicht darüber reden. Verdrängen.

 

Doch der eigene Kopf ist immer dabei. Ein Weglaufen ist nicht möglich. 

 

Und bei manchen anderen Pilgern spüre ich die Freude am Wandern. Die Natur zu erleben. Menschen kennen zu lernen, um gemeinsam zu wachsen. Zeit für sich zu haben, und dann wieder Zeit zum Teilen. Den Teilen macht Freude.

 

Ich habe hier zwei Tage verbracht und habe viele Pilger (ua. aus Kolumbien, Indonesien, Großbritannien, Deutschland, Kanada, USA) befragt: Warum diese wandern? Was ihr Beweggrund ist – den Jakobsweg zu gehen?

 

Und ich bekam die unterschiedlichsten Antworten. Bei manchen Wandergefährten fühlte ich,  dass diese nicht ehrlich zu sich selbst sind. Den wahren Grund nicht sagen. Verdrängen. Nicht darüber reden.

 

Viele können nicht darueber reden. Denn die Vergangenheit schmerzt zu sehr. Das Erlebte tut zu sehr weh.

 

Stan erzählte mir seine Story:

 

Stan kommt aus Großbritannien, ist 67 Jahre alt und geht den Jakobsweg schon das zweite Mal. Stan möchte die wunderschoene Natur sehen, fühlen und hören. Und all das, alleine und dann wieder in Gesellschaft.

 

Auch ist er sehr religiös und daher ist der Jakobsweg für ihn – der Weg.

 

Und die tolle Infrastruktur ist sehr einladend. Nette Herbergen und gute Restaurants am Weg. Ohne vorausplanen zu müssen. Going with the Flow. Mit seinem Gefühl: Wie weit er jeden Tag gehen möchte und Wo er nächtigen moechte. Noch ein Grund für Stan genau diesen Weg zu pilgern.

 

Auch erzählte er mir, dass er sein Leben beim wandern reflektiert. Zeit für sich hat. Den Alltag  und den familiären Verpflichtungen entfliehen kann. Wieder zu erden. Bei sich selbst anzukommen.

 

Das sind seine Gründe warum er auf bestimmte Zeit wandert. Bevor er sich wieder seiner Familie stellt. Mit seinem Enkelkind hat er genug zu tun. Da ist immer was los.

*

*

Chris erzählte mir, dass er nicht weiß, warum er sich auf den Weg gemacht hat. Vielleicht sollte er Party in Ibiza machen, doch er ist hier gelandet. Am Jakobsweg. Auch JJ sagte mir ähnliches: Er hat sein zweites Jahr Auszeit. Und dieses Jahr möchte er seine Familie und Freunde weltweit besuchen und einen Teil des Jakobsweges zu gehen. Warum: Weiß er nicht?

 

Der Alkohol spielt bei Beiden eine große Rolle im Leben. Viel Alkohol wird getrunken. Auch Isabel trinkt viel und regelmäßig. Der Wein ist ihr Antrieb.

 

Auch sie ist unterwegs. Ohne zu wissen – WHy? Oder es mir zu sagen.

*

*

Kathleen erzählte mir: Sie hatte Krebs. Und es ging ihr sehr schlecht. Sie wandert, um sich selbst zu finden. Inne zu halten, zu reflektieren und dies alleine und mit Weggefährten. So wie es sich gerade für sie richtig und gut anfühlt.

*

*

Philip aus Deutschland erzählte mir nichts von seinen Beweggründen. Doch seine Aufschreie in der Nacht und seinen unruhigen Schlaf ließ mich erkennen, dass er viel zu verdauen hat.

 

Denn Träume – Alpträume – haben eine wichtige Botschaft für dich. Und nimmst du diese wahr, kannst du daraus lernen und wachsen.

*

*

Beatrix ist am Jakobsweg, da sie eine wichtige Entscheidung treffen muss und kurz vor dem Studium – sie ist noch sehr jung – möchte sie sich Zeit für sich selbst nehmen. Auch ein religiöser Hintergrund hat sie bewegt, diesen Weg zu pilgern.

*

*

Auf der Flucht vor einem selbst. Oder bewusst zu wandern, um zu sich selbst zu finden. Um wichtige Entscheidungen zu treffen, waren für mich die Erkenntnisse aus den vielen Gesprächen.

 

Dankbar für die Offenheit meiner Wanderweggefaehrten und mit vielen neuen Erkenntnissen und auch zwei schlaflosen Nächten in typischen Pilgerherbergen wandere ich nun weiter. Weiter ins nächste Abenteuer.

 

Kannst du dir vorstellen den Jakobsweg zu gehen? Oder bist du diesen schon gegangen. Was ist/ war dein Beweggrund? Dein WHY?

 

Awake, Smile & Walk on

Andrea